Der Wahnsinnige im White House


In wenigen Tagen (03.November) wissen wir, ob der Wahnsinnige weiter im White House w√ľten darf oder etwas mehr Vernunft in die altehrw√ľrdigen Mauern einziehen darf. Und w√§hrend die meisten Amerikaner bereits vor Monaten oder wenn nicht sogar Jahren die Entscheidung getroffen haben, ob sie Donald J. Trump mit ihren Wahlstimmen unterst√ľtzen werden, fragen sich viele Mitglieder der LGBTQ-Community, was w√§re, wenn Trump die Wahlen am Ende gewinnen oder verlieren w√ľrde. Glaubt man den Umfragen, wird Trump die Wahlen verlieren - doch das wurde auch bereits vor vier Jahren schon f√§lschlicherweise prognostiziert.

Irgendwie sind die Erinnerungen an jene Wahlnacht im Jahre 2016 doch noch wach, als Trump mit einem breiten Grinsen, umringt von seiner Familie, in die Kameras blickte und zum Schrecken vieler Schwuler versprach, dass Amerika wieder ‚Äěgreat‚ÄĚ werden w√ľrde. Vier Jahre sp√§ter sieht sich Trump selbst immer noch als Freund der schwulen Gemeinde, aber w√§re seine Wiederwahl tats√§chlich ein Grund zur Freude?

‚ÄěIch glaube noch nicht einmal, dass Trump selbst eine pers√∂nliche Abneigung hat, was unsere Community angeht‚ÄĚ, ist sich Rex (36 Jahre, Brooklyn) sicher, ‚Äěaber er ist von Beratern umgeben, denen die Rechte, die uns Barack Obama gegeben hat, ein Dorn im Auge sind. Wenn es seine W√§hler verlangen, dann wird seine Regierung es uns auch weiterhin schwer machen, was das Ende der Homo-Ehe oder der Adoption bedeuten k√∂nnte! Dank Trump sind bereits heute Transgender im Milit√§r unerw√ľnscht, die Gesundheitsleistungen wurden f√ľr uns gek√ľrzt und von der Regierung finanzierte Obdachlosen-Heime und Adoptions-Agenturen d√ľrfen Transgender und gleichgeschlechtliche Paare ablehnen, w√§hrend nichts gegen die anwachsende Gewalt gegen√ľber der LGBTQ-Community unternommen wird!‚ÄĚ


Dabei sollte Trump wissen, dass die Stimmen der rund elf Millionen wahlberechtigten LGBTQ Amerikaner ein gro√ües Gewicht haben, nachdem er 2016 die Wahlen nur sehr knapp gewonnen hatte. Dies scheint stattdessen der Demokrat Joe Biden bereits Anfang Juni erkannt zu haben, dessen Team es sich zum Ziel gesetzt hat, LGBTQ-W√§hler im Rahmen der ‚ÄěOut for Biden‚ÄĚ Initiative f√ľr sich zu begeistern.

Aber kann die Gay-Community Joseph R. Biden Jr. wirklich vertrauen, der sich noch 1996 gegen die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Ehen ge√§u√üert und zwei Jahre zuvor daf√ľr gestimmt hatte, dass f√ľr Schulen, die sich f√ľr die Akzeptanz von Homosexualit√§t eingesetzt hatten, finanzielle Leistungen von der Regierung gek√ľrzt wurden? Au√üerdem war Biden noch 1973 der Meinung gewesen, dass Homosexuelle sowohl im Milit√§r als auch in der Regierung extreme Sicherheitsrisiken darstellten.

Der 77 Jahre alte Joe Biden ist in einer Zeit aufgewachsen, in der Homosexualit√§t noch als S√ľnde und Verbrechen gegolten hatte, und dennoch hatte ihm bereits sein Vater in jungen Jahren beim Anblick von zwei k√ľssenden M√§nnern erkl√§rt, dass diese sich lieben w√ľrden. Und als die National LGBT Chamber of Commerce (NGLCC) Ende August 2020 bekannt gab, voll und ganz hinter Biden zu stehen, hatte Joe Biden wie so viele andere Amerikaner auch seine Einstellung uns gegen√ľber ge√§ndert und mit Taten bewiesen, eine zweite Chance verdient zu haben.


So hat er sich auch bereits im Mai 2012 in einem Interview f√ľr die gleichgeschlechtliche Ehe eingesetzt, bis auch Barack Obama einige Tage sp√§ter seinem Beispiel folgte, was sicherlich den Grundstein f√ľr die sp√§tere Entscheidung des obersten Gerichtshofes in den USA darstellte, die es uns allen erm√∂glichte, ‚ÄěJa, ich will‚ÄĚ zu sagen. Und genau das passierte dann auch, als er 2017 den Democratic National Committee‚Äôs Finance Chairman Henry R Munoz III und seinen Partner in Biden's Zuhause in Northern Virgina traute.

Und w√§hrend Trump's Regierung noch vor wenigen Monaten den Obersten Gerichtshof erfolglos dazu bewegen wollte, dass Homosexuelle und Transgender nicht mehr l√§nger vor Diskriminierungen am Arbeitsplatz gesch√ľtzt werden sollten, hat es sich Joe Biden zum Ziel gesetzt, in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit als Pr√§sident der USA den Equality Act zum bundesweiten Gesetz zu machen, der alle Mitglieder der LGBTQ-Community in s√§mtlichen Lebensbereichen vor Diskriminierungen sch√ľtzen w√ľrde. ‚ÄěWenn Biden gew√§hlt wird, dann wird es auch nicht nur wieder mehr Transsexuelle im Milit√§r, sondern auch mehr Mitglieder der LGBTQ-Community in der Regierung geben‚ÄĚ, ist sich Rex sicher.

Joe Biden betrachtet die Rechte von Transgender als eines der gro√üen Themen unserer Zeit, f√∂rdert die Akzeptanz von homosexuellen Jugendlichen durch seine Charitys, ist grunds√§tzlich der Ansicht, dass es jeder Mensch verdient, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden und hat ein Enkelkind, das der LGBTQ-Community angeh√∂rt.


W√§hrend Biden es sich zum Ziel gesetzt hat, wie damals Barack Obama auch, der Pr√§sident aller Amerikaner zu werden, haben Trump's Aktionen und Versuche, sowohl dem Coronavirus als auch der Black Lives Matter Bewegung kaum Bedeutung zu schenken, dazu gef√ľhrt, dass die Nation tief gespalten ist. ‚ÄěWenn Trump noch einmal gew√§hlt wird, wird Amerika v√∂llig zugrunde gehen‚ÄĚ, mutma√üt Andreas (43 Jahre, New York).‚ÄěDas Land braucht einen Pr√§sidenten, der sich f√ľr Minderheiten wie Transgender und African Americans einsetzt, so dass alle Amerikaner und auch noch Generationen danach eine Chance auf eine bessere Zukunft haben.‚Äú

Und der Schauspieler Paul (55 Jahre, Long Island, New York) erwartet, dass die Nation auch weiterhin gespalten sein wird, wenn Trump wieder gew√§hlt w√ľrde. Die Kluft zwischen reich und arm wird noch gr√∂√üer werden, nachdem die Anzahl der arbeitslosen Amerikaner w√§hrend der Coronavirus-Krise extrem angestiegen ist. Paul ist sich sicher, dass es auch weiterhin zu Unruhen und Aufst√§nden kommen w√ľrde und anderen Nationen das Vertrauen in die USA g√§nzlich verlieren w√ľrden, da nicht wenige der amerikanischen Regierung bereits heute zutiefst misstrauen.

Jonathan (29 Jahre, Rhode Island) sieht als die eigentliche Kandidatin f√ľr das amerikanische Pr√§sidentenamt die Juristin und Politikerin Kamala Harris, die Biden‚Äôs Running Mate und Kandidatin f√ľr das Amt der Vize-Pr√§sidentin ist. Kamala Harris gilt als ehrgeizig und unbestechlich, sie setzt sich seit dem Beginn ihrer Karriere f√ľr die Rechte anderer ein. Aufgrund Biden‚Äôs hohem Alter erwartet Jonathan, dass Kamala Harris eventuell in das Oval Office des Wei√üen Hauses einziehen und der Korruption und sozialen Ungerechtigkeit in den USA den Kampf ansagen wird.


2020 ist ein Jahr, dass wir alle eher lieber heute als morgen vergessen w√ľrden. Aber seit meinem Umzug in die USA habe ich gelernt, dass kaum eine andere Nation wie die Amerikaner es so gut versteht, Dinge schwarz oder wei√ü zu sehen. Es kommt selten vor, dass Republikaner √ľber Nacht zu Demokraten werden und auch Demokraten werden nicht so einfach ihre politischen Ansichten √§ndern. Aber am Ende wird sich zeigen, ob die W√§hler am 3. November bereit sein werden, Trumps Erfolge und Misserfolge als Pr√§sident der Vereinigten Staaten von Amerika eine faire Bedeutung beizumessen.

Das Land steckt nach Covid-19 und den Rassenunruhen wie am Ende der Finanzkrise 2008 in einer schwierigen Phase und junge M√§nner wie Randy (33 Jahre, West Harlem) versuchen, sich mit dem Thema Politik und Wahlen so wenig wie m√∂glich zu besch√§ftigen, da sie den Glauben an das System bereits g√§nzlich verloren haben. Aber w√§hrend High Flyer wie der Wall Street Banker Jarrod damit rechnen, dass im Falle von Biden‚Äôs Wahl die Aktienkurse einbrechen werden, hoffen Randy und andere auf bessere und stabilere Zeiten.

So wie damals bei Barack Obama auch, verbinden viele Amerikaner mit Joe Biden und Kamala Harris die Hoffnung, dass es gerade einkommensschw√§cheren Menschen unter ihrer F√ľhrung besser gehen und ein Teil des Schadens repariert wird, den ihrer Meinung nach Trump's Regierung angerichtet hat. Und in einer Zeit, in der unter den unz√§hligen Obdachlosen in den gro√üen St√§dten der USA auch sehr viele Mitglieder der LGBTQ-Community vertreten sind, verbinden viele W√§hler mit Biden die Hoffnung, dass sein Sieg ein erster Schritt in Richtung Normalit√§t w√§re.

Und so erinnert uns Biden ein wenig an Barack Obama, von dem vor 2008 nicht viel bekannt gewesen war, bevor er √ľber Nacht nicht nur zum damals m√§chtigsten Mann der Welt, sondern auch ber√ľhmtesten Supporter der LGBTQ-Community wurde, f√ľr die sich schon damals ein Joe Biden aktiv eingesetzt hatte.

Autoren:

USA Korrespondent Derek Meyer und Michael Soze

An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload ūüóô