Happy Birthday Ralf König!


Kaum zu glauben, aber der Gro├čmeister des schwulen Comics, Ralf K├Ânig, feiert im August 2020 seinen 60.Geburtstag und zugleich sein 40.Jahr als Comic-Autor. Wir wissen ja, 60 ist das neue 40 und insofern ist Ralf im besten M├Ąnneralter! Das zeigt uns der in Westfalen geborene, erfolgreichste deutsche Comic-Autor auch einmal mehr in den letzten Monaten: W├Ąhrend der Corona-Zwangspause begl├╝ckte er seine Fans mit t├Ąglich neuen Comics von Konrad und Paul sowie neuen Weltraum-Abenteuern von Barry Hoden.

Ralf, du feierst nicht nur 60 Lebensjahre, sondern auch 40 Jahre schwule Comics. Da muss ein Blick zur├╝ck gestattet sein. Was war f├╝r dich in diesen Jahren die geilste Zeit?

Die geilste Zeit im Sinne von geil? Seit der Pubert├Ąt war eigentlich alles geil, ich hab┬┤s mir in allen Dekaden gegeben, H├Ąrtegrad steigend. Das beruhigt sich nun allm├Ąhlich und ich wei├č noch nicht, ob ich das gut finden soll. Ich glaub nicht. Frag mich nochmal, wenn ich 70 werde, ist ja bald so weit, wie die Jahre fliegen.

Wenn du zur├╝ckblickst, wie war Ralf K├Ânig so als junger Kerl mit 20 oder 30 Jahren?

Mit zwanzig steckte ich noch mit einem Bein im Coming Out, da landete ich vom Dorf direkt im Dortmunder Schwulenzentrum und alles war neu. Ab 30 in K├Âln mutierte ich zum Kerl, dann hatte ich wohl die hei├česte Zeit. Fetischpartys, Ledertreffen und eine wirklich wilde Amour fou ├╝ber sechs Jahre mit einem sehr sexy Brasilianer, der riss mir genussvoll den Boden unter den F├╝ssen weg. Die Behaarten, sag ich nur. Ich hatte oft unm├Âgliche Aff├Ąren und hab dabei sicher auch Federn gelassen, aber gibt┬┤s was Besseres, als unterm Arsch von dem zu liegen, in den man so richtig verknallt ist?    

Zum Gl├╝ck f├╝r uns alle arbeitest du flei├čig weiter, auch w├Ąhrend Covid-19. Sind die Comics f├╝r dich in den letzten Wochen eine Art ÔÇ×LebensretterÔÇť geworden?

Bei allem Drama da drau├čen: Das mit dem Lockdown war f├╝r mich ein Geschenk. Ich hatte gerade vor, mit einem schwierigen Buch anzufangen, da sollte es um PC gehen und die queeren Szene-Streitereien, aber pl├Âtzlich spielte das von einem Tag auf den anderen keine Geige mehr! In meiner Irritation hab ich angefangen, kleine Corona-Comicstrips auf Facebook zu posten, was sofort bombig ankam, und seitdem mache ich das. Damit verdiene ich kein Geld, klar, aber ich hoffe, die Leute sind fair und kaufen die gesammelten Strips sp├Ąter als Buch bei Rowohlt. Dieses Kurzformat macht Spa├č, vier Panels, fertig.

Du arbeitest auch stetig an neuen Werken - welche B├╝cher sind in der Pipeline und worauf d├╝rfen sich deine Fans als n├Ąchstes freuen?

Gerade jetzt erscheint bei M├Ąnnerschwarm ROY & AL Teil 2. Das sind meine beiden Hunde, die in Berlin bei zwei schwulen Herrchen leben. Al ist ein reinrassiger, rechtskonservativer und sehr heterosexueller kleiner Kl├Ąffer und macht in einem queeren Haushalt die H├Âlle durch. Auf den zweiten Teil haben die Leser lange gewartet, mir machten die K├Âter auch Spa├č, aber irgendwie vergingen elf Jahre dar├╝ber! ├ťber weitere Pl├Ąne kann ich noch nichts sagen, ich bleib gern spontan, aber ich hab zum Gl├╝ck nach wie vor jede Menge Ideen! Und harmloser wirdÔÇÖs nicht, je oller, je doller.


Wir wissen ja durch deine B├╝cher, alt werden ist f├╝r dich nicht so richtig der Knaller. Trotzdem sei die Frage gestattet, gibt es auch sch├Âne Dinge, die du im Alter genie├čen kannst? Mach uns etwas Mut, Ralf, bitte! 

Nein, sorry, bleibt ruhig mutlos! Ja, es gibt Momente, da sitz ich mit dem k├╝hlen Glas Wei├čwein in irgendeinem Garten in der Sonne und denke, ist doch ok, das mit dem ruhiger werden. Aber das mit dem k├Ârperlichen Verfall ist einfach Schei├če! Mein Buch ÔÇÜHerbst in der HoseÔÇś geht genau darum: Nur nicht den Humor verlieren! Ich h├Ątte wohl nicht mehr die Nerven f├╝r wilde Sexaff├Ąren, aber fehlen tut es doch. Ich bin gesund, ich hab auch noch Sex mit ein, zwei Kandidaten, ich bin sowieso Pornojunkie, ich lache und kiffe und bin gern mit guten Freunden zusammen und hab meine Comics, die Spa├č machen.

Wenn du an deine vielen wunderbaren Figuren in all den Jahren zur├╝ckdenkst, welche davon kommt dir am n├Ąchsten?

Naja, Paul nat├╝rlich. Der stolpert auch testosteronbesoffen auf jeden behaarten Kandidaten zu, egal ob es Stress gibt oder nicht, er gibt es sich. Konrad ist eher der vern├╝nftige Part, den hab ich auch in mir, mal so, mal so. Und nat├╝rlich ÔÇÜbinÔÇś ich nicht Paul, aber ich kann ihn in allem, was er macht, gut verstehen. Ich schick ihn ins Rennen und gucke dann zu, was er macht. 

In diesem Monat erscheint auch die Sonderausgabe ÔÇ×Der junge K├Ânig - 1 K├Ânig, 3 B├ĄndeÔÇť. F├╝r Fans, die deine jungen Werke vielleicht noch nicht kennen, was erwartet uns darin? 

Das ist sehr altes Zeug, eben meine Anf├Ąnge aus den 80ern und 90ern. Sehr grob noch und derb, ich kam ja von den amerikanischen Undergroundcomix, Fritz the Cat und so. Bei der Jubil├Ąumslesung im BKA-Theater hab ich ein paar Geschichten daraus gebracht und mir blieb selbst die Spucke weg. Hemmungslos, aber das war damals genau das richtige.

Wenn du dich selbst in jungen Jahren treffen k├Ânntest, was w├╝rdest du dir gerne sagen? 

Lern ein Instrument und Fremdsprachen, Idiot! Bei Comicfestivals im Ausland dauert es immer drei Tage, bis ich mein Englisch einigerma├čen fit hab, und dann ist das Festival vorbei. Ansonsten hab ich das meiste richtig gemacht, glaube ich. Gut, das sagen zu k├Ânnen.


Wenn du nicht gerade arbeitest und an neuen Ideen t├╝ftelst oder deine Balkonpflanzen umsorgst, was machst du sonst so alles? Gibt es geheime Hobbys von Ralf K├Ânig, von denen die gespannte Welt├Âffentlichkeit vielleicht noch gar nichts wei├č? 

Ich f├╝rchte, ich bin langweiliger, als du denkst. Ich hab meinen Fokus sehr auf den Comics, die nehmen mich ja auch gedanklich sehr ein. Aber ich w├╝rde gern ├Âfter ins Theater gehen oder f├╝r Freunde kochen oder Romane oder Kurzgeschichten schreiben, aber das bleibt viel zu oft beim ÔÇÜIch w├╝rde gernÔÇŽÔÇś. Mal sehen, angeblich hat man ab 60 ja mehr Zeit und Reife. Man muss die Dinge, die man will, halt irgendwann angehen. 

Du hast drei W├╝nsche frei - was w├╝rdest du dir w├╝nschen, Ralf? 

Ach, Gesundheit, ein Landhaus, einen Hund. Ich merke, ich werde innenstadtm├╝de. W├Ąhrend des Lockdowns war K├Âln ein Kurort im Fr├╝hling, keiner gr├Âlte drau├čen rum, kein Auto fuhr, herrlich. 

Es scheint, immer weniger M├Ąnner nehmen ├╝berhaupt noch ein Buch zur Hand. Werde f├╝r uns bitte zum Verteidiger der B├╝cher!

Mir tut lesen gut, das macht ja was mit dem Gehirn, ich bin konzentriert und die Vorstellungskraft wird trainiert. Die Zeit mit dem Buch hab ich ganz f├╝r mich, ich bin vertieft, das erdet. Wenn ich dagegen irgendwas auf Netflix gucke, kriege ichÔÇÖs fertig serviert, muss es nur passiv wegglotzen und hab┬┤s danach gleich wieder vergessen. Ich mag, wenn ein Autor seine ganz eigene Sprache hat, Literatur kann mit W├Ârtern viel mehr ausdr├╝cken als Filme das k├Ânnen. Aber lesen muss man sich beibringen, das ist wie beim Sport, wenn ich l├Ąnger nichts gelesen habe, muss ich erst wieder reinkommen. 


Bist du selbst ein Filmfreund?

Ich hab grad wieder meine Woody Allen-Phase, der Mann hat mir viel gegeben, was Dialogf├╝hrung angeht. Klar, ich mach nur Comics, keine Filme, aber Dialoge m├╝ssen lebendig r├╝berkommen. Die skurrilen Filme von Roy Andersson sind gro├čartig, finde ich, Kubricks ÔÇÜ2001' ist mein Alltime-Klassiker. Oder ÔÇÜAlien'. ÔÇÜSouthpark' find ich zum niederknien genial. Und Pornos, da hab ich auch meine Klassiker, auf die ich immer wieder kann.     

Mehrere deiner B├╝cher sind verfilmt worden. Welche Geschichte von dir sollte man heutzutage dringend noch zu einem Film machen?

Ach, die Welt braucht sicher was anderes als deutsche Filmkom├Âdien. Ich war nie wirklich gl├╝cklich mit den Verfilmungen, in den Comics kommt das immer besser r├╝ber als mit Schauspielern. Ein Animationsfilm w├Ąre mal was, aber dazu bin ich nicht Mainstream genug. Schwul und gottlos, da trauen die Filmproduzenten sich hierzulande nicht so richtig ran, schon gar nicht in Zeiten von Political Correctness. 

Abschlie├čend lass uns noch ├╝ber Sex reden - eine wundersch├Âne Sache, f├╝rwahr! Aus deiner heutigen Sicht: Was ist wirklich wichtig beim Sex zwischen zwei M├Ąnnern? Worauf kommt es an?

Du stellst Fragen. Ich glaube, es geht nicht um ÔÇÜwundersch├Ân' und ÔÇÜwichtig', es geht um blasen und arschlecken. Und um ÔÇÜSpa├č' geht┬┤s auch nicht, jedenfalls nicht um Spa├č, wie ich ihn im Kino habe, oder so. Es geht um die Vorfreude aufs Date, um Sau rauslassen, um Hemmungslosigkeit, Zeigefreude, Ger├╝che! Ich bin froh, dass ich mir das gegeben habe, wann immer es m├Âglich war. Und dass ich oft mit M├Ąnnern auf der Matratze lag, in die ich auch noch verknallt war! Das erh├Âht die Intensit├Ąt nat├╝rlich um ein Vielfaches. Selbst wenn die andersrum nicht in mich verknallt waren, egal, es gab Nummern, die ich vom Gl├╝cksgef├╝hl her nicht missen m├Âchte. Da kommt kein 5-G├Ąnge-Men├╝ auf dem Teller mit und auch kein Sonnenuntergang am Meer.


Seine neusten B├╝cher gibt es beim M├Ąnnerschwarm Verlag.

Autor: Michael Soze  


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