Poppers – die Droge ohne Nebenwirkungen?


FĂŒr viele Jungs ist Poppers so etwas wie ein nĂŒtzliches Helferlein. Es steht ihnen zur Seite, wenn nach einem anstrengenden Tag zuhause noch ein ziemlich großer Schwanz wartet, der sich da austoben soll, wo es passiven Jungs Spaß macht. Ein paar ZĂŒge an dem kleinen FlĂ€schchen und schon wird alles ein bisschen besser. Das Loch entspannt sich, die Empfindungen werden intensiver, die Anspannung des Tages weicht gelassener Geilheit. Der Schwanz, der vor wenigen Sekunden noch nach einer ziemlich schmerzhaften Herausforderung ausgesehen hat, gleitet plötzlich ziemlich mĂŒhelos bis zum Anschlag in den Arsch.

Kein Wunder also, dass Poppers so beliebt ist. Keine Sexparty, keine Sauna, keine Cruising-Area ohne „Rush“, „Amsterdam“, „Bang“ oder „Blue Boy“. „Etwa 35 Prozent der MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben, geben an, in den letzten 12 Monaten mindestens einmal Poppers konsumiert zu haben“, sagt Urs Gamsavar, Chemsex-Experte bei der Deutschen Aidshilfe in Berlin. Allerdings heißt das auch: FĂŒr rund zwei Drittel der MĂ€nner spielt Poppers beim Sex keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Gerade in den Szene-Hotspots der grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte ist die SchnĂŒffeldroge aber weit verbreitet.

Zentrale Bestandteile von Poppers sind stark flĂŒchtige Substanzen, wie zum Beispiel Amylnitrit. Bei Zimmertemperatur entwickeln sich DĂ€mpfe, die man beim Konsum einatmet. Im Körper hat Amylnitrit vor allem eine gefĂ€ĂŸerweiternde Wirkung. Der Blutdruck sinkt, der Herzschlag beschleunigt sich, Muskeln entspannen und entkrampfen sich. Das ist nicht nur beim Sex erwĂŒnscht. UrsprĂŒnglich war die heutige Sexdroge ein Medikament gegen Durchblutungsstörungen am Herzen. Schon Mitte des 19.Jahrhunderts wurde Patienten mit Herzschmerzen Poppers verabreicht. Das verengte GefĂ€ĂŸ dehnte sich aus, das Blut konnte wieder besser fließen und die Schmerzen ließen nach. Ziemlich schnell sogar, schließlich setzt die Wirkung schon nach einigen Sekunden ein, spĂ€testens nach wenigen Minuten ist aber auch schon wieder Schluss. Deswegen ziehen passive MĂ€nner wĂ€hrend eines Ficks nicht selten immer wieder mal am FlĂ€schchen. Der Name Poppers lĂ€sst sich auf seinen Einsatz als Herzmedikament zurĂŒckfĂŒhren. Die Ampullen, aus denen die Patienten die Substanz inhalierten, öffneten sich mit einem Knall, Englisch „to pop“.

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Poppers passt durch sein Wirkprofil gut zu schwulem Sex, wird aber auch in der Techno- und Rave-Szene konsumiert. Entspannung und Enthemmung sind da schließlich auch erwĂŒnscht. Der SchnĂŒffelstoff ist leicht verfĂŒgbar und ziemlich unkompliziert zu dosieren – auch das macht ihn beliebt. Schon fĂŒr deutlich weniger als zehn Euro pro FlĂ€schchen ist er im Internet zu haben. Gerne auch als „Aromastoff“, „Lederreiniger“ oder „Raumlufterfrischer“ deklariert. Besitz und Konsum sind nicht strafbar, der Verkauf von Amylnitriten ist in Deutschland allerdings Apotheken vorbehalten. Deswegen steht im Internet nicht ĂŒberall Poppers drauf, wo Poppers drin ist.

Dass Poppers aus Sicht der Konsumenten den Sex besser macht, ist klar. Ebenso, dass die Wirkung vor allem passiven MĂ€nnern mehr Genuss und weniger Schmerzen bescheren kann. Aber wie sieht es mit den Risiken aus? „Es kann zu VerĂ€tzungen an der Nase oder am Mund kommen. Schwindel, Kopfschmerzen oder Hautrötungen kommen auch immer wieder mal vor“, berichtet Experte Gamsavar von der Aidshilfe. Bei einem ordentlichen Fick schwappt so ein FlĂ€schchen schnell mal ĂŒber und die Nase wird verĂ€tzt. Mit ein bisschen Vorsicht lĂ€sst sich das aber vermeiden. Überhaupt sind die kurzfristigen Nebenwirkungen bei moderatem Konsum verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig harmlos. Vorausgesetzt man weiß, dass man Poppers inhalieren muss. „Es gibt FĂ€lle, da haben Leute das Zeug getrunken“, weiß Gamsavar. Vor allem Jungs, die neu in der Szene sind und Poppers nicht kennen, seien da gefĂ€hrdet. Mit fatalen Folgen: Wer Poppers trinkt, bringt sich in Lebensgefahr.

Wie gefĂ€hrlich das SchnĂŒffeln wirklich ist, hĂ€ngt auch davon ab, was man sich sonst noch so alles eingeworfen hat. Medikamente, Alkohol, Viagra, andere Drogen – gerade auf Sexpartys kommt da manchmal einiges zusammen. Durch die Kombination verschiedener psychoaktiver Substanzen kann man aber schnell zum medizinischen Notfall werden. Vor allem Poppers und Viagra bilden ein ziemlich unseliges Duo. Beide senken den Blutdruck, was zu Bewusstlosigkeit fĂŒhren kann. Unklar ist auch, was Poppers langfristig mit dem eigenen Körper macht. Auf Pornoseiten finden sich zahlreiche Videos zum Popperstraining – Anleitungen zum Wichsen mit Poppers. Oft ziemlich lang und ziemlich intensiv. Muskulöse Tops geben die Befehle zum Sniffen und sorgen dafĂŒr, dass sich die devoten Bottoms vor dem Bildschirm auch richtig schön wegbeamen.


Große Mengen Poppers, immer wieder konsumiert, ĂŒber viele Jahre hinweg hinterlassen ihre Spuren im Körper. „Die langfristigen SchĂ€den sind nicht so gut erforscht wie die kurzfristigen Risiken“, erklĂ€rt Gamsavar. „Aber es gibt Berichte ĂŒber AugenschĂ€den oder ein geschwĂ€chtes Immunsystem.“ Außerdem ist von Impotenz, GedĂ€chtnis- und Konzentrationsstörungen sowie einer möglichen krebserregenden Wirkung zu lesen. Wie hĂ€ufig solche schweren SpĂ€tfolgen auftreten und wie groß die Gefahr fĂŒr den Einzelnen ist, lĂ€sst sich kaum sagen. AugenĂ€rzte berichten aber immer wieder von SchĂ€den der Netzhaut, die in Zusammenhang mit dem Poppers-Konsum stehen könnten. Unklar ist jedoch, welcher in Poppers enthaltene Stoff fĂŒr die Probleme verantwortlich ist.

Recht sicher dĂŒrfte dagegen sein, dass kaum jemand wegen solcher Warnungen auf Poppers verzichten wird. Zu verbreitet ist die Droge, zu geil finden viele Konsumenten den Sex damit. Stellt sich die Frage, wie man Sex mit Poppers einigermaßen sicher gestalten kann. „Man kann zum Beispiel die FlĂŒssigkeit auf einen Wattebausch geben und daran inhalieren. Da passieren nicht so leicht VerĂ€tzungen“, rĂ€t Chemsex-Experte Gamsavar. Ansonsten hilft wie in vielen Lebenslagen auch ein bisschen gesunder Menschenverstand. Nicht so viel, nicht so hĂ€ufig, und vor allem nicht in Verbindung mit anderen Drogen, Medikamenten oder Alkohol. Und wer weiß, dass sein Herz-Kreislaufsystem eh schon angeschlagen ist, sollte sich auch ĂŒberlegen, ob zu geilem Sex wirklich unbedingt Poppers gehören muss.

Schwierig wird es auch, wenn man an Sex ohne Poppers keinen Spaß mehr hat. „Es gibt schon einige, die berichten, dass sie es nur noch mit Poppers so richtig geil finden“, erzĂ€hlt Gamsavar. Klar, psychisch abhĂ€ngig kann man von fast allem werden. Nicht nur von Poppers, auch von Schokolade oder Computerspielen. Muss aber trotzdem nicht sein. Denn wer stĂ€ndig schnĂŒffelt, hat spĂ€ter natĂŒrlich eher mit FolgeschĂ€den zu kĂ€mpfen als Jungs, die es ruhiger angehen lassen. Vielleicht sollten alle, die gerne Poppers nehmen, einfach mal ĂŒberlegen, wie sie den Konsum fĂŒr sich am besten und sichersten gestalten können. Am besten natĂŒrlich bevor das nĂ€chste Mal eine pralle Eichel am Loch gierig um Einlass bittet. Wer bewusst konsumiert, muss sich auch nicht so viele Sorgen um mögliche SpĂ€tfolgen machen. Das entspannt und macht den Kopf frei. Schon mal keine schlechte Voraussetzung fĂŒr einen guten Fick.

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Autor: Nicolas Blum

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