Black Lives Matter und die Community


Mit einer gewissen Distanz beobachten wir noch immer den Kampf um Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der schwarzen Bevölkerung Amerikas. Als Minderheit, die aufgrund ihrer SexualitÀt bis heute nach wie vor Hass und verbale sowie körperliche Gewalt erfÀhrt, sind uns die altbekannten Ablehnungsmuster nur zu gut bekannt.

NatĂŒrlich fĂŒhlen wir mit. Mehr noch. Wir sind wĂŒtend. WĂŒtend darauf, dass Amerika noch immer viel zu wenig unternimmt, um endlich wirklich ein starkes Signal gegen Rassenhass zu setzen. Dabei muss uns eines allerdings klar sein: Die aufgestaute Wut, die sich derzeit in Amerika entlĂ€dt, ist auch in Europa prĂ€sent. Fremdenhass und Rassismus kennt keine Staatszugehörigkeit.

Werfen wir einen Blick auf die aktuellen Statistiken, sehen wir, dass auch hier bei uns die Ablehnung von schwarzen Menschen oder Personen jenseits des „weißen Durchschnittsdeutschen“ stark ausgeprĂ€gt ist. Diese negative Einstellung allem „Fremden“, allem „Anderen“ gegenĂŒber speist sich stets aus denselben Quellen: Unwissenheit, Angst, familiĂ€re und religiöse PrĂ€gungen, Bildungsferne und Unkenntnis.

Schwarze Menschen, GeflĂŒchtete, auslĂ€ndische MitbĂŒrger und wir alle aus der LGBTQ-Community - wir kĂ€mpfen gegen den gleichen Feind. Wer das „Andersartige“ oder kurz gesagt alles abseits der heteronormativen weißen Mehrheitsgesellschaft hasst, differenziert nur noch selten im Detail. Seine blanke und brutale Ablehnung gilt allen Menschen, die nicht in sein enges, dummes Weltbild passen.

© Cockyboys

Im Jahr 2015 hielt der damalige PrĂ€sident Barack Obama eine seiner bewegendsten Reden. In Charleston nahm er an der Trauerfeier fĂŒr neun Afroamerikaner teil, die in einer Kirche einem weißen Rassisten zum Opfer fielen. Am Ende sang er tief bewegt „Amazing Grace“, ein Volkslied ĂŒber die Gnade Gottes in schweren Zeiten. Ein Lied, das schon den Sklaven in den USA Hoffnung geben sollte.

Und dann sagte er, der weiße Rassist sei mit seinem Vorhaben gescheitert, das Land zu spalten. Ein wunderschöner Satz. Wunderschön. Doch grundfalsch. NatĂŒrlich wollte er Mut machen, er wollte all die unterdrĂŒckten Minderheiten stĂ€rken, sie einen. Doch heute knapp fĂŒnf Jahre spĂ€ter sehen wir, dass sich nichts bewegt hat. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind mannigfaltig: NatĂŒrlich befeuert ein rassistischer einfĂ€ltiger PrĂ€sident Trump die Situation. Er schafft ein Klima, in dem Fake-News nicht nur toleriert, sondern als der Wahrheit ebenbĂŒrtig akzeptiert werden. Er hat auch schon ganz offensichtlich Rassisten und ihre AnschlĂ€ge kleingeredet.

Doch so verheerend der orangefarbene Wahnsinnige im Oval Office auch sein mag, er ist nur ein Ausdruck eines viel grĂ¶ĂŸeren Problems: Viele Millionen Amerikaner haben ihn gewĂ€hlt. Haben seine bekannte Politik aus Frauenfeindlichkeit (Stichwort: Grab them by the pussy. You can do anything!), Homophobie, Rassismus und geldgierigem Wirtschaftswahn auf Kosten aller anderen mitgetragen. Es galt niemals wirklich die Devise â€žAmerica First“, denn es wĂŒrde bedeuten, alle Amerikaner zu fördern.

Eigentlich war sein Motto stets: White rich straight Americans first! Trump hat nur den Boden bereitet, auf dem sich jetzt alle Parteien bis an die ZĂ€hne bewaffnet gegenĂŒberstehen: Jeder hasst jeden.


Was derzeit in Amerika geschieht, sollte uns mehr als zu denken geben - es sollte uns warnen! Und es sollte uns eines zeigen: Wenn wir als Minderheit in einer Gesellschaft eine wirkliche VerĂ€nderung hin zum Positiven erreichen wollen, brauchen wir VerbĂŒndete. Über Staatsgrenzen und Ideologien hinweg.

Dabei scheitern wir oftmals schon innerhalb unserer eigenen Community und verzetteln uns unnötigerweise: Schwule gegen Lesben. Trans gegen Queer. Dick gegen DĂŒnn. Alt gegen Jung. Wir mĂŒssen mehr denn je begreifen, dass alle benachteiligten Gruppen einen gemeinsamen Nenner haben: Wir wollen Gleichberechtigung und Akzeptanz. Der einzige Weg dahin ist, ĂŒber den Tellerrand zu blicken. Wir haben bereits gezeigt, dass es geht.


In Großbritannien des Jahres 1984 engagierte sich eine Schwulen- und Lesbengruppe aus London fĂŒr die Bergarbeiter, die ein Jahr lang erbittert gegen die drohenden Schließungen und Privatisierungen der Thatcher-Regierung streikten. Ohne Eigeninteresse kam dieses ungewöhnliche BĂŒndnis zusammen. Keine andere Gruppe sammelte so eifrig Spenden fĂŒr die Bergarbeiter.

Als Dank fĂŒr ihre SolidaritĂ€t wiederum fĂŒhrte die mĂ€chtige Bergarbeitergewerkschaft NUM 1985 die Pride Parade in London an. Nur durch ihre massive UnterstĂŒtzung wurde dann auf dem Parteitag der Labour Party ein Antrag durchgesetzt, der die Partei zur UnterstĂŒtzung der Rechte von Lesben und Schwulen verpflichtete.

Es war der Beginn jeder rechtlichen Gleichstellung im Vereinten Königreich. Das ungewöhnliche BĂŒndnis zwischen Homosexuellen und der Bergarbeitergewerkschaft hat bis heute Bestand. Und es zeigt uns eines ganz klar: Nur gemeinsam, solidarisch können wir es schaffen. Black Lives Matter ist daher nicht weit weg, es sollte uns mehr denn je dazu bewegen, Hand in Hand fĂŒr Gleichberechtigung zu kĂ€mpfen. 

© Cockyboys

Autor: Michael Soze

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