Die Queen für schwule Jungs


Woher kommt eigentlich die Liebe vieler schwuler Männer für die Queen, diese fast mythische Verehrung jener Dame, die seit 1952 Königin des Vereinigten Königreichs Großbritanniens ist? Erinnert uns die etwas schrullige, leicht buckelige Seniorin an die Golden Girls? Oder verlieren wir spätestens seit Margaret Rutherford als Miss Marple unser Herz immer wieder an kleine, rüstige Damen mit strenger Miene? Oder ist es gar der Glanz und die ganz große Show, die jedes Mal steigt, wenn es im Buckingham Palace etwas zu feiern gibt?

Immer mal wieder fällt das Wort „Würde“, wenn man von Elisabeth II spricht. Diese Erhabenheit, die die inzwischen vierundneunzigjährige Hutfetischistin ausstrahlt, ist wohl tatsächlich einzigartig auf der Welt. Natürlich lässt sich trotzdem anmerken, dass Zuneigung für die Queen nur möglich ist, blendet man all die gefühlskalten Entscheidungen aus, die sie in ihrer Amtszeit immer wieder zum Besten gab. Zum Wohle der Krone. Ein halbes Leben lang litt ihr Sohn Charles unter der fehlenden Nestwärme und den strikten Regeln, denen er sich von frühester Kindheit an unterwerfen musste.


Für Nachholbedarf und dem Füllen von Wissenslücken empfiehlt sich die Netflix-Serie „The Crown“ – die fünfte Staffel der Erfolgsserie soll in diesem Jahr abgedreht werden. Ähnlich kalt trieb sie die Ehe zwischen Charles und Prinzessin Diana voran und selbst beim tragischen Todesfall der jungen „Königin der Herzen“ bedurfte es viel Zuredens seitens des damaligen Premierministers Tony Blair, damit sie ihre Trauer auch öffentlich bekundete. Zuletzt soll sie gar nicht amüsiert davon gewesen sein, dass Prinz Harry so gar keine Lust darauf hat, sich weiter der Hof-Etikette zu beugen und inzwischen lieber mit seiner Ehefrau und Ex-Schauspielerin Meghan Markle, heutige Herzogin von Sussex, die meiste Zeit des Jahres in Kanada lebt. Ist die Monarchie einfach aus der Zeit gekommen? Braucht Großbritannien, braucht die Welt, brauchen wir schwule Jungs noch eine echte Queen – also eine, die sich nicht am späten Abend als betrunkener Kerl mit schlechtem Make-Up entpuppt?


Royalisten würden eifrig „Ja“ rufen! Aber vielleicht täte der britischen Krone eine gewisse Frischzellenkur gut? Oder wie wäre es einmal mit einem offiziell schwulen Mann im Buckingham Palace? Wie das aussehen könnte, hat die junge Autorin Casey McQuiston in ihrem Erstlingswerk „Royal Blue“ (Knaur Verlag) festgehalten. Darin verknallt sich der königliche schwule Prinz in den Sohn der (leider fiktiven) amerikanischen Präsidentin. Zuckerguss vom Feinsten und ein wunderbarer Schmöker! (Die Filmrechte hat sich bereits Amazon gesichert!) Und es lässt uns davon träumen, dass auch bei Hofe Veränderungen möglich sind. Immerhin, der Großneffe der Queen, der einundzwanzigjährige Arthur Chatto (Enkelsohn von Queen Elisabeths Schwester Prinzessin Margaret)arbeitet im Nebenjob aktuell als Fitnesstrainer in Edinburgh.

Und wenn man sich die zahlreichen Bilder mit nacktem muskelbepackten Oberkörper von ihm im Internet betrachtet, kann man sich so eine schwule Liebesaffäre im Buckingham Palace irgendwie gleich viel besser vorstellen. Bis es soweit ist, können wir Queen-Fans im neuen prächtigen Bildband des Taschen Verlags blättern und kommen dabei mit Sicherheit auch auf unsere Kosten. Die royale Bildersammlung auf über 360 Seiten verbindet Glanz und Glamour, Kitsch und Kultur auf wunderbare Weise. Und während wir durch die Seiten blättern, träumen wir einfach noch einmal davon, dass eines Tages ein schwuler Prinz sich vor den Toren des Buckingham Palace outet. Händchen haltend mit seinem Lover. Oder ist das zu viel verlangt?  


Abdruck der Bilder mit freundlicher Genehmigung des Taschen Verlags.

Buch: Her Majesty. A Photographic History 1926–Today

Reuel Golden, Christopher Warwick

Hardcover, 368 Seiten, 50 Euro.


Autor: Michael Soze

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