Wilde Männer in der Natur


Die Meisterwerke von Henning von Berg

Henning von Berg - ein Mann, der heute zu den weltbesten Fotografen gehört. Seine Fotografien wurden in über 570 Publikationen und mehr als 60 Büchern veröffentlicht, zudem kann er auf Dutzende Ausstellungen in berühmten Galerien und Museen verweisen und das auf fünf Kontinenten. Heute lebt der ehemals als Autodidakt gestartete Weltenbummler die Sommermonate über in Berlin. Die restliche Zeit des Jahres verbringt er in Kalifornien und Florida oder ist auf Reisen unterwegs.

Mit Henning von Berg verbindet man meistens eine spezielle Herangehensweise - große Landschaftsaufnahmen, monumentale Bauwerke, verfeinert mit Akten von Männern und Frauen. In Amerika nennen sie ihn schlicht den Fotografen für „Bodies and Buildings“.

Weltweit einem Publikum bekannt, wurde er erstmals mit den inzwischen berühmten Reichstagsbildern: Er fotografierte sechs nackte Männer in der Glaskuppel des Reichstags. Über 1700 Mal schafften es diese Bilder auf die Titelseiten von Magazinen auf der ganzen Welt. Wovon träumt ein so erfolgreicher Künstler in den besten Jahren? Er würde gerne in Asien und auf dem Mond noch Aktbilder fotografieren. Wir sind uns sicher, diesem spannenden Mann gelingt auch das noch. Mit seiner Lebensfreude hat er uns im Interview auf alle Fälle bereits begeistert.

Mit 35 Jahren hast du deinen erlernten Job als Ingenieur hingeworfen und wolltest fortan kreativ arbeiten. Wie ist es zu diesem großen Schritt in deinem Leben gekommen?

Der Druck meines Vaters hat mich Ingenieurwesen studieren lassen. Ich habe auch schnell einen Job gefunden, sehr gut verdient, hatte eine große Verantwortung, aber merkte irgendwann einfach, das ist alles nicht mein Ding. Ich wollte freier Künstler sein. Ich habe fortan Artikel geschrieben und Bilder gemacht, die auch in einigen Cafés ausgestellt wurden. Dann plötzlich bekam ich einen Brief aus Amerika von einem Verlag, der von meinen Bildern gehört hatte und sie sehen wollte. Ich habe zwei billige Abzüge gemacht und nach Amerika geschickt. Zehn Monate später bekam ich ein Paket mit zwei Belegexemplaren. Das Buch präsentierte neunzig der weltbesten Fotografen. Und ich war einfach dabei zwischen all den wirklich großen Namen. Ich hatte zum Glück danach immer wieder Ideen wie das Reichstagsshooting, sodass ich im Gespräch geblieben bin.


Allein in deiner Wahlheimat Berlin gibt es ja einige tausend Menschen, die sich salopp Fotograf nennen, sobald sie eine teure Kamera in der Hand haben. Wie siehst du das?

Viele dieser Leute sind gar keine richtigen Fotografen, sondern gerne übergewichtige, ältere Herren, die sich eine teure Kamera kaufen und ihren Models versprechen, sie berühmt zu machen. Und nicht wenige Jungs fallen darauf rein. Eine gute Kamera ist auch überhaupt nicht wichtig. Meine berühmtesten Bilder habe ich alle mit einer Knipskamera gemacht. Die Qualität mag dann nicht so gut sein, aber es geht ja um das, was das Auge sieht. So ein Bild braucht eine witzige oder besondere Idee. Es gibt sowieso nichts Neues mehr, weder in der Fotografie noch in der Malerei. Alles ist schon einmal dagewesen. Man kann aber versuchen, zu kombinieren. Wir bekommen tagtäglich viele Eindrücke präsentiert, wenn wir die einfach nur kopieren, ist das langweilig und spricht nicht für den Künstler. Nehmen wir einen guten Maler: Er kann nicht nur gut malen, er hat auch noch eine verrückte Idee und beobachtet vielleicht noch die Gesellschaft. Das ist spannend!

Inspiriert dich auch Berlin selbst?

Ja! Ich bin ja zuerst nach Köln gezogen, weil ich dachte, das wäre der schwule Nabel der Welt - aber das war es nicht. Ich war auch in München, Hamburg und Amsterdam. Aber ich habe schließlich gemerkt, Berlin ist die perfekt verrückte Stadt für mich, auch wenn sich Berlin selbst ständig verändert. Aber ich liebe nach wie vor die Freiheit hier.


Wenn du dann mit den Modells vor Ort bist, weißt du sofort, wann ein Bild richtig gut geworden ist?

Ja, ich merke das sehr schnell. Ich brauche zuvor eine Weile, um ein Bild zu finden. Ich wandere um das Model herum und nach einem Dutzend Bildern merke ich plötzlich, das ist es jetzt! Meine Ausbildung hilft mir da natürlich auch. Ein Architekt macht ja viel mehr, als nur Gebäude und Brücken zu konstruieren, er verschönert das Ganze auch. Da spielt so viel mit rein, Kunstgeschichte, Inszenierung, Farblehre, Design und vieles mehr.

Du hast mir erzählt, dass es selbst für dich manchmal schwierig ist, explizite Männerakte auszustellen. Gleiches berichten uns ganz viele Künstler!

Diese Prüderie nehme ich ganz deutlich wahr. Es beginnt ja schon in den Sportstudios, wo sich viele Männer unter der Dusche gar nicht mehr ausziehen wollen. Man sieht diese Entwicklung überall. Nacktheit wird immer mehr wieder zum Tabu. Es gibt da gerade in der jungen Generation eine große Form der Prüderie. Am Wannsee im FKK-Bereich zum Beispiel präsentieren die jungen Männer zwar gerne ihre Gucci-Badehosen, aber sie wollen sich nicht nackt zeigen. Dabei geht es bei FKK gar nicht um perfekte Körper oder große Schwänze, sondern um Natürlichkeit. Egal, wie man aussieht. Freiheit in der Natur.

Autor: Michael Soze

Bilder: Henning von Berg.

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