Neue LGBTQ-Wohnprojekte in Berlin!


Gute Nachrichten für ältere LGBTQ-Menschen: In Berlin sollen weitere Wohnungen speziell für Personen aus der Community entstehen – und das zu bezahlbaren Preisen.

Um dem Angebotsmangel an (vor allem bezahlbaren) Wohnungen entgegen zu treten, haben in den letzten Jahren viele Vereine und gemeinnützige Träger mit neuen Wohnprojekten einen gesamtgesellschaftlichen Mehrwert geschaffen. Die Schwulenberatung Berlin hat so beispielsweise mit ihrem „Lebensort Vielfalt“ in Charlottenburg (Niebuhrstraße) bereits 2012 das erste queere Wohnprojekt in Deutschland errichtet. In den Einrichtungen wohnen vorwiegende ältere schwule Männer. Hintergrund dieser Entscheidung war die Tatsache, dass viele ältere Homosexuelle, die die Verfolgung aufgrund des §175 StGB noch miterlebt haben, ungern mit der „Generation der Verfolger“ gemeinsam in einem Seniorenheim den Lebensabend verbringen wollen. Zudem geschieht es nicht selten, dass Familienangehörige oder der Großteil der „Wahlfamilie“ inzwischen nicht mehr lebt.

Die Stadt Berlin unterstützt mit Grundstücken solche besonderen Wohnprojekte. Jedoch sind diese Grundstücke meistens klein und eher am Stadtrand gelegen. Daher sind Grundstücke wie die „Schönberger Linse“ am Südkreuz (siehe erstes Bild) sehr begehrt. Nach einem sehr verzahnten Bewerbungsverfahren hat die Schwulenberatung Berlin den Zuschlag bekommen. Im November 2020 war die Grundsteinlegung für 69 weitere Wohnungen für die LGBTQ-Community. Hierfür können sich alle Personen, egal ob schwul, lesbisch, trans, alt oder jung, bewerben. Wichtig ist dabei, wie der zukünftige Bewohner das queere Miteinander fördern und prägen kann. Für einen Großteil der dortigen Wohnungen wird die Miete 6,50 Euro bis 8,20 Euro pro Quadratmeter betragen, sodass auch Menschen mit niedrigerem Einkommen dort in einem diskriminierungsfreien Umfeld leben können.

Die Fertigstellung ist für Ende 2022 geplant und bewerben kann man sich schon heute. Jedoch zeigt die Warteliste erneut den hohen Bedarf an: Für die Wohnprojekte Südkreuz und Niebuhrstraße gibt es aktuelle rund 450 Bewerber. Da der Bedarf an Wohnraum so groß ist, plant die Schwulenberatung Berlin an ihrem ersten Standort in der Niebuhrstraße weiter 20 Wohnungen zu bauen. Dazu Marcel de Groot, Geschäftsführer der Schwulenberatung Berlin: „Trotz des neuen Standortes am Südkreuz werden leider nicht alle Interessenten eine Wohnung bekommen können. Deswegen prüft die Schwulenberatung Berlin die Erweiterung des Lebensortes Vielfalt auf dem eigenen Grundstück in der Niebuhrstraße. Erfreulicherweise könnte es hier die Möglichkeit geben, in zentraler Lage weitere Wohnungen zu errichten. Damit könnten noch mehr Menschen in geschützten und diskriminierungsfreien Wohnungen selbstbestimmt leben.“

Marcel de Groot, Geschäftsführer Schwulenberatung Berlin

Unter den angedachten 20 Wohnungen sollen auch zwei rollstuhlgerechte Varianten eingeplant werden. Des Weiteren sind zwei therapeutische Wohngemeinschaften für LGBTQ mit psychischen Beeinträchtigungen sowie Wohngemeinschaften für Studierende geplant. Daneben soll es Gemeinschafts- sowie Büro- und Beratungsräume geben. Das Haus soll hohe ökologische Standards erfüllen. So sind zudem auch gemeinsame Freiflächen für alle Bewohner geplant.

Lebensort Vielfalt


Autor: Sebastian Ahlefeld

Mitarbeit: Michael Soze

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