Internationaler Tag gegen LGBTQ-Hass!


IDAHOBIT

Heute (17.Mai) ist der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie!

 

Jährlich wird am 17. Mai den Menschen gedacht, die wegen Intoleranz, Hass und Hetze aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität zu Opfern werden. Täglich werden viele LGBTQ-Menschen zu Opfern, weil es immer noch zu viele Täter gibt.

Der Gedenktag leitet seinen Ursprung vom sogenannten Schwulen-Paragrafen 175 StGB ab. Dieser stellte gleichgeschlechtlichen Sex unter Männern unter Strafe und war noch bis 1994 im Strafgesetzbuch der BRD verankert. Das Äquivalent in der DDR war der §151 StGB-DDR. Dieser stellte neben Männern auch die gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen unter Strafe und wurde 1988 ersatzlos gestrichen. Jedoch waren LGBTQ-Menschen weiterhin bis zum Ende der DDR 1989/90 den willkürlichen Repressalien der SED-Diktatur ausgesetzt.   

Durch die lange staatliche und rechtliche Verfolgung, insbesondere von schwulen Männern, ist die gesellschaftliche Gleichstellung und Anerkennung von queeren Lebensweisen noch am Anfang. So erleben wir weiterhin eine rechtliche Ungleichbehandlung unter anderem im Adoptionsrecht, im Abstammungsrecht, im Transsexuellengesetz, bei der In-Vitro-Medizin (künstliche Befruchtung), bei der Blutspende und in der Sichtbarkeit im Grundgesetz im Artikel 3(3) GG.

Die stetig steigenden Zahlen an Übergriffen zeigen, dass es noch lange braucht, bis zwei Männer händehaltend durch die Straßen gehen können, ohne Angst haben zu müssen. So ist für 2020 ein Anstieg an homofeindlichen Gewalttaten von 36 % zu verzeichnen, im Vergleich zu 2019. Der erschütterndste homofeindlichste Anschlag 2020 war der tödliche Angriff auf ein schwules Paar in Dresden durch einen Islamisten.

Am heutigen Tag äußern sich viele Personen aus Politik und Gesellschaft, das MyGay Magazine hat einige dieser Stimmen eingefangen, beginnend bei Jörg Litwinschuh-Barthel, dem Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld:

"An den Pionier der ersten Homosexuellenbewegung Dr. Magnus Hirschfeld zu erinnern, hat nichts an Bedeutung verloren: Angesichts wachsender Homo- und Trans*feindlichkeit, religiösen Fundamentalismus und neuer Formen von Hassrede im Internet ist der Kampf für Akzeptanz und Gleichstellung von LSBTIQ* noch lange nicht gewonnen."

Jörg Litwinschuh-Barthel, Vorstand Magnus Hirschfeld Stiftung

"Täglich werden in Deutschland Menschen angepöbelt, bedroht und angegriffen, weil die Täter ihren Hass auf LSBTI in Gewalt ausleben. Im letzten Jahr gab es 782 registrierte hassmotivierte Straftaten gegen Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. Politischen Sonntagsreden zum IDAHOBIT folgt Tatenlosigkeit. Konsequentes Handeln ist endlich notwendig. Offen, sicher und diskriminierungsfrei leben – das muss endlich auch für LSBTI gelten. In Deutschland und überall auf der Welt.“

Axel Hochrein, Bundesvorstand LSVD

Axel Hochrein, LSVD

"Mit Polen und Ungarn drehen zwei unserer Nachbarländer und EU-Mitgliedsstaaten konsequent die Rechte von LSBTIQ* zurück. Die Lebenssituation verschlechtert sich dort zunehmend. Nur zwei prominente Beispiele dafür, dass LSBTIQ* noch lange nicht gleichberechtigt leben und lieben können. Die Pandemie hat Lesben, Schwule, Bi- und Intersexuelle und Trans* weltweit unsichtbarer werden lassen. Doch 2021 werden wir wieder lautstark und zahlreich auf die Straßen zurück kehren. Der 17.05. ist uns dazu Startschuss und Ansporn. Für Deutschland bedeutet es, dass wir unsere Anstrengungen verstärken, endlich den vollen Schutz des Grundgesetzes zu erhalten und endlich den Artikel 3 Grundgesetz um die Merkmale der sexuellen und geschlechtlichen Identität zu ergänzen."

Kai Bölle, Vorstand CSD Deutschland e.V.

Kai Bölle, CSD Deutschland e.V.

"Der IDAHOBIT ist heute wichtiger denn je: man mag kaum glauben, dass es bis zum Jahr 1990 gedauert hat, um Homosexualität aus dem Bereich der psychischen Krankheiten zu entstigmatisieren - und dass es heute immer noch zahlreiche Länder gibt, die aktiv gegen die LGBTIQ+ Community und deren Menschen vorgeht. Es liegt eine große Wegstrecke in der souveränen Anerkennung von sexueller Identität vor uns, aber die richtigen Schritte sind gemacht.“

Nico Hofmann, Produzent und CEO UFA GmbH

Nico Hofmann, UFA GmbH

"Weltweit erleben Menschen Hass und Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität. Mitten in der Europäischen Union ruft Polen angeblich LGBT-freie Zonen aus. Gleichgeschlechtliche Ehen werden nicht in allen EU-Mitgliedsstaaten anerkannt. Die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik muss den weltweiten Schutz sexueller und geschlechtlicher Minderheiten endlich systematisch in den Blick nehmen. Der Einsatz gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit darf keine Grenze kennen.

Auch in Deutschland spitzt sich die gesellschaftliche Polarisierung zu. Queere Menschen erfahren auch hierzulande oftmals Ausgrenzung, verbale und körperliche Gewalt. Es ist höchste Zeit für einen Nationalen Aktionsplan gegen Homo- und Transfeindlichkeit. Wir wollen die schulische Aufklärung stärken und Sicherheitsbehörden für homo- und transfeindliche Gewalt sensibilisieren. Das Grundgesetz soll endlich im Wortlaut vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität schützen. Es gibt noch viel zu tun - in Deutschland und darüber hinaus."

Jens Brandenburg, Bundestagsfraktion Freie Demokraten (FDP)

Jens Brandenburg, FDP

"Dieser Tag mahnt uns, beim Kampf für Akzeptanz und gleiche Rechte nicht nachzulassen. Nichts ist gut, wenn Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen nicht gleichberechtigt und in Sicherheit und Freiheit leben können, weltweit und in Deutschland.

Queere Menschen werden in ihrem Alltag gesellschaftlich noch immer nicht als gleichwertig angesehen, erleben Diskriminierung, Bevormundung und Gewalt. Ihre gesundheitliche und soziale Situation ist Besorgnis erregend. Das zeigen alle internationalen und nationalen Studien. Diskriminierung macht krank und grenzt sozial aus. Die Corona-Krise hat zudem sichere Orte wie Kneipen, Clubs oder Beratungsstellen verschwinden lassen oder ihre Arbeit zumindest erschwert.“

Sven Lehmann, Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen

Sven Lehmann, Bündnis 90 / Die Grünen

„Die aktuellen Krisen und der parlamentarische und gesellschaftliche Rechtsruck der letzten Jahre verschärfen existierende Ungleichheiten, auch für LSBTIQ*: In der Pandemie berichten besonders jüngere und ältere queere Menschen von Einsamkeit und Abbruch wichtiger sozialer Kontakte. Queere Infrastrukturen, die über Jahre und Jahrzehnte unter hohem Einsatz aufgebaut wurden, seien es Clubs oder Beratungsangebote, stehen nach erkämpfter Anerkennung jetzt ökonomisch unter Druck. Gleichzeitig nimmt queerfeindliche Gewalt zu.

Die Politik muss diese Zusammenhänge mit starken Gegenmaßnahmen zum Schutz von LSBTIQ* beantworten: Es braucht einen Rettungsschirm für die Landschaft queerer Einrichtungen und Bedarfe. Und Gesetzgebungen, die klar machen: Besonders diskriminierte und verletzliche Menschen stehen bei uns unter besonderem Schutz. Die Erweiterung des Artikels 3 Absatz 3 im Grundgesetz um entsprechende Merkmale wäre da ein wichtiges Signal. DIE LINKE steht an der Seite von LSBTIQ*. Es gibt viel zu tun, die Rechte von queeren Menschen zu stärken. Heute und an jedem Tag!“

Doris Achelwilm, Bundestagsfraktion Die Linke

Doris Achelwilm, Die Linke

"Wir alle sind in unserer Vielfalt gut so wie wir sind, dennoch sind einige der Meinung, dass homo-,trans- und intersexuellen Menschen keinen Platz in unserer Gesellschaft gebührt. Deshalb ist der heutige Tag ein wichtiger, an dem wir uns zeigen, Fahnen hissen und auch selbstbewusst sein sollten, denn wir sind alle ein Teil unserer Demokratie."

Karl-Heinz Brunner, Bundestagsfraktion SPD

Karl-Heinz Brunner, SPD

„In Deutschland werden Schwule und Lesben angefeindet. Einfach nur, weil sie so sind wie sie sind. Ich finde das unerträglich. Wir müssen jetzt handeln und ein klares Zeichen setzen: Kein Mensch darf in unserem Land aufgrund seiner sexuellen Identität ausgegrenzt, verfolgt oder diskriminiert werden. Dafür ist unsere Verfassung der richtige Ort. Dort sind die unsere Rechts- und Gesellschaftsordnung prägenden Werte und Prinzipien niedergelegt.

Deswegen kämpfe ich dafür, Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes um das Merkmal der „sexuellen Identität“ zu ergänzen. Die Ergänzung des Gleichheitsartikels wäre ein sichtbares Bekenntnis zu einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft, in der LGBTIQ selbstverständlich dazugehören und in der sie angst- und diskriminierungsfrei leben können. Mit der Ergänzung von Art. 3 Abs. 3 GG sichern wir das bisher Erreichte bei Gleichstellung und Schutz gegen Diskriminierung verfassungsrechtlich ab. Reaktionären und rückwärtsgewandten Kräften - die im Deutschen Bundestag und in vielen Landtagen viel zu zahlreich vertreten sind - schieben wir damit einen Riegel vor."

Jan-Marco Luczak, Bundestagsfraktion CDU

Jan-Marco Luczak, CDU

„Heute ist es, mehr denn je, wichtig am diesem Tag Sichtbarkeit und Zusammenhalt zu demonstrieren. In vielen Ländern der Welt wird „Anderssein“ immer noch mit Folter oder der Todesstrafe geahndet. Auch in Deutschland nehmen die Übergriffe auf die LGBTIQ*Szene massiv zu. Zeigt Flagge jeden Tag und liebt wen ihr wollt. Liebe darf nicht bestraft werden.“

Gloria Glamour, Drag-Queen

Gloria Glamour, Drag-Queen

„Lasst euch nicht erzählen, wer angepasst und unauffällig lebt, bleibe verschont! Darum muss der Paragraf 3 GG in puncto „sexuelle Identität“ ergänzt werden. Alles muss gesetzlich geregelt sein, damit eine Rechtssicherheit gewährleistet ist! Und weil es hier in Deutschland möglich ist, raus auf die Straße! Wir lassen uns nicht zu kranken Monstern degradieren. Sichtbarkeit ist unser wichtigstes Gut! Toleranz und Akzeptanz entstehen nur im Dialog. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen bewegten 17.5.2021!“

Ralph Morgenstern, Schauspieler und Entertainer

Ralph Morgenstern, Entertainer

„Solange der Rechtspopulismus nicht völlig von der Bildfläche verschwindet, reicht es nicht aus, nur am heutigen Tag ein starkes Zeichen zu setzen. Wir müssen jeden Tag achtsam sein und unsere Stimmen erheben. Unsere stärkste Waffe? Solidarität!“

Benjamin Gutsche, Drehbuchautor und Regisseur der ersten schwulen Serie aus Deutschland, All you need / ARD.

Benjamin Gutsche, Drehbuchautor und Regisseur

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