Das Stimmenwunder Anastacia


Worte, die einem bei dem Namen Anastacia sofort in den Sinn kommen: laut, stark, erfolgreich und gebrandmarkt.

Anastacia kennt die Tiefen des Lebens wohl genauso gut wie die Höhen und ist dadurch nicht nur musikalisch ein Vorbild für viele, sondern auch ein Sprachrohr für all diejenigen, die keine Plattform haben. Seit mehr als zwanzig Jahren beglückt uns die Sängerin mit großartiger Musik, aussagekräftigen Texten und natürlich mit ihrer unverwechselbaren Stimme, die jede Wand wackeln lässt. Anastacia, die im Jahr 2004 mehr als verdient zur Künstlerin des Jahres ernannt wurde, gehört mit Millionen verkauften Tonträgern und zahlreichen Auszeichnungen schon lange zu den erfolgreichsten Pop-Sängerinnen unserer Zeit.

Sie selbst beschreibt ihren Stil als „Sprock“ – eine Mischung aus Soul, Pop und Rock. Wer die Powerfrau schon einmal live erlebt hat, weiß, sie strotzt nur so vor Sprock. Nach ihrem dritten und kommerziell erfolgreichsten Album „Anastacia“ (2004), bog sie mit „Heavy Rotation“ im Jahre 2008 kurzzeitig auf die RnB-Straße ab, was bei vielen Fans bis heute einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat. Trotz Kracher wie „Heavy Rotation“, „I Call It Love“ und “Defeated”.


Mit dem Cover Album „It´s A Man´s World” (2012) wollte uns die Amerikanerin eigentlich davon überzeugen, dass die großen Rock-Songs nicht nur von männlichen Stimmen getragen werden müssen, sondern das auch zierliche Blondinen große Töne spucken können. Vor ihrer großen Comeback-Tour erkrankte die hübsche Sängerin dann leider ein zweites Mal an Brustkrebs und begab sich sofort in Behandlung. Anastacia entschied sich für eine beidseitige Brust-Amputation und lebt seitdem krebsfrei.

Welcher Titel hätte nach dieser aufwühlenden Zeit wohl besser passen können als „Resurrection“, zu deutsch: „Wiederauferstehung“. Mit dieser Platte meldete sie sich 2014 voller Energie zurück und holte ihre große Live-Tour nach, die sie auf Grund ihrer wiederkehrenden Erkrankung komplett abgesagt hatte (das erste Mal erkrankte sie 2003 an Brustkrebs). Die erste Singleauskopplung „Stupid Little Things“ war der Beweis dafür, dass Anastacia zu ihrem alten Sound zurückgefunden hatte und ließ uns somit an die goldenen Zeiten ihres Hit-Albums „Anastacia“ erinnern.

Zwar veröffentlichte die Brillenträgerin mit eigener Brillen-Kollektion später mehrere Live- und Best-Of-Combilations, dennoch wurde es nach drei langen Jahren nun endlich wieder Zeit für ein neues Studio Album der personifizierten Stimmgewalt.„Caught In The Middle“ war der Vorreiter von „Evolution“ und machte ab dem Tag der Veröffentlichung Lust auf mehr. Mit Songs wie „Reckless“, „Nobody Loves Me Better” „Higher Livin’“ und “Boomerang” erinnert uns die Sängerin stark an ihre ersten beiden Alben „Not That Kind“ sowie „Freak Of Nature“ und vor allem daran, warum wir uns vor zwanzig Jahren in diese Ikone verliebt haben.


„Not Coming Down“, „Before“ und “Pain” präsentieren hingegen eine ganz neue Anastacia, die es versteht, moderne Musikstile und den altbewährten „Anastacia Sound“ perfekt in Einklang zu bringen. „Die zweite Single „My Everything” schlägt hingegen ungewohnt ruhige Töne an und blieb hinter den Erwartungen zurück. Mehr Sinn hätte wohl „Red Light“ als Folge-Single gemacht. Auf dem Album-Cover und im Booklet sehen wir Anastacia rockig, sexy, cool und natürlich mit getönter Sonnenbrille. Klar, jeder Künstler muss sich ausprobieren und entwickeln, doch Anastacia ist der lebende Beweis, dass es für bestehenden Erfolg wichtig ist, sich selbst treu zu bleiben.

In einem früheren Interview sagte sie: „Sie haben mir die Brüste wegoperiert, nicht meine Stimme“. Zum Glück, denn sonst wäre uns allen ein weiteres Meisterwerk der Queen of SPROCK entgangen.

Erschienen bei Universal Music

Autor: Robin Höhn


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