Ab ins Kino! Das Queerfilm-Festival ruft!


Gute Filme gehören ins Kino! Auch in Zeiten von Covid-19. Da ist sich der Filmverleiher Salzgeber zusammen mit seinen kreativen Partnern einig und so startet im September das beliebte Queerfilm-Festival in elf Städten und präsentiert einen spannenden Reigen von Filmperlen, Klassikern und faszinierenden Neu-Entdeckungen.

Dabei sein kann jeder, Kinos in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Leipzig, Magdeburg, München, Nürnberg, Stuttgart und Wien machen mit beim Festival. Aus schwuler Sicht gehört zu den Highlights im Programm mit Sicherheit der deutsche Beitrag „Futur Drei“ über eine fragile Dreiecksbeziehung zwischen dem jungen Parvis und einem iranischen Geschwisterpaar, dessen Wege sich kreuzen, nachdem Parvis in einer Unterkunft für Geflüchtete Sozialstunden ableisten muss.

Ebenso aus Deutschland kommt der neue Streifen „Neubau“ über das Leben des jungen Markus, der zwischen der Liebe zu seinen pflegebedürftigen Großmüttern und einem freien Leben in Berlin hin und her gerissen ist, bis er sich – man ahnt es schon – kurz vor der Abreise nach Berlin frisch verliebt. Und was nun? Die Frage stellt sich dann auch Lucas im Neulingswerk „Die Starken“, als er planlos durch sein Leben tappt und sich beinahe versehentlich in einem abgelegenen Fischerdorf in den attraktiven Hafenarbeiter Antonio verliebt.

Film: Moffie / Salzgeber

Um alte und vielleicht ewige Liebe geht es dagegen im schwedischen Beitrag „Are We Lost Forever“. Regisseur David Färdmar erzählt uns von zwei schwulen Männern, die sich nach Jahren trennen, doch nicht beide können gleich gut mit der neuen Situation umgehen.

Ein weiteres Highlight beim Queerfilm-Festival ist dann die Filmperle „Moffie“, die uns in die Zeit der Apartheid ins Südarfika der 80er Jahre mitnimmt und uns von einer eigentlich unmöglichen Liebe zweier Männer im Militärdienst erzählt. Regisseur Oliver Hermanus dazu:

„Unser Titel „Moffie“ ist ein drastischer, abwertender Ausdruck in Afrikaans für „schwul“. Die Schande ist sofort real, man merkt, dass man entdeckt und aussortiert wurde. Das Wort sagt, du bist schlecht, du hast kein Recht, akzeptiert oder gemocht zu werden, und jeder kann dich zurückweisen. Und zur Zeit der Apartheid war man damit kriminell. Deshalb musste man ihn beseitigen, ihn verbergen, ihn töten – den „Moffie“ in sich selbst."

Film: Minjan / Salzgeber

Das Thema „Schwule Männer in Extremsituationen“ ist auch Ausgangspunkt im betörenden Streifen „Der Prinz“, in dem wir erleben, wie der junge Jaime im Gefängnis landet und sich schließlich dem Chef einer Gang unterordnen muss, den alle nur „den Hengst“ nennen. Jaime wird schließlich zum neuen Prinzen für den Hengst – ein Film über sexuelle Unterordnung, Loyalität und Zuneigung, der in keine Schublade passt.

Apropos Schublade – auch David hat im Werk „Minjan“ keine Lust, sich den althergebrachten Vorgaben seiner russischen Einwandererfamilie zu beugen. Immer mehr spürt er, wie es ihn zu den Bars und Clubs im New Yorker East Village hinzieht und er erahnt, wie schwule Liebe sein kann.

Nach so viel dramatischer Kost dürfen wir im Klassiker „Gleichung mit einem Unbekannten“ von Dietrich de Velsa mit einem Kerl durch Paris cruisen, der uns in seinem wilden Trip aus Realität und Traum sinnlich in seine Welt entführt. Lebensfroh und amüsant wird es dann mit dem Streifen „Benjamin“ von Comedian Simon Amstell – einmal mehr kommt für den hier titelgebenden Protagonisten die Liebe zum unpassendsten Augenblick. Ähnlich leichtfüßig kommt „Adam“ von Rhys Ernst um die Ecke. Adam sucht in New York nach der großen Liebe – oder wenigstens nach dem ersten Sex. Dummerweise wird er dabei mehr als einmal für einen trans-Mann gehalten.

Film: Bizarre / Salzgeber

New York! Dieser Stadt widmet sich dann das Queerfilm-Festival in besonderem Maße in ihrer Retrospektive: „Freiheitsversprechen und Freiheitskampf, Selbstfindung, Sehnsuchtsort wildester Träume und natürlich auch ein Teil der USA, den wir immer noch schätzen und lieben dürfen. Das alles ist für uns New York!“, so das Team des Filmverleihers Salzgeber.

Vom AIDS-Drama („Buddies“) über Filmklassiker („Liebestod auf Long Island“ mit John Hurt und dem ehemaligen Beverly-Hills-90210-Star Jason Priestley) bis hin zu Publikumslieblingen („Keep The Lights On“) ist alles mit dabei – und definitiv einen Kinobesuch wert.

Die MyGay-Redaktion empfiehlt aus vollstem Herzen zwei „Boys-Filme“: Im französischen Streifen „Bizarre“ taucht der junge Maurice in die verruchte Burlesque-Welt mit ihren freizügigen Sexshows ab, während in „Five Dances“ das blutjunge Landei Chip in eine New Yorker Tanzgruppe aufgenommen wird und sich alsbald Hals über Kopf in einen der anderen Tänzer verknallt. Poetischer, sinnlicher und berührend-intimer ist seit vielen Jahren nicht mehr so wunderbar von erster schwuler Liebe erzählt worden. Dieses Meisterwerk von Alan Brown macht nicht nur glücklich, es kann womöglich sogar Leben retten. Anschauen!

Film: Five Dances / Salzgeber

Autor: Michael Soze

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