Daumen drücken beim ESC 2021!

Ab heute sind wir wieder im ESC-Fieber! Es erwarten uns zwei Halbfinale und die große Show am kommenden Samstag – live übertragen auf der ARD. Nachdem im letzten Jahr der ESC aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt wurde, können wir nun endlich wieder mit Freude Chips, Alkohol und Käse-Igel vertilgen und dabei unseren Favoriten die Daumen drücken!

Der 65. Eurovision Song Contest 2021 wird in der Ahoy Arena in Rotterdam ausgetragen. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat bekannt gegeben, dass in einem Corona-Feldversuch rund 3.500 Fans bei jeder Show live dabei sein werden. Die niederländische Regierung will damit untersuchen, wie Großveranstaltungen mit Publikum unter Corona-Maßnahmen stattfinden können. Das australische Team hat sich dazu entschlossen, aufgrund der Corona-Pandemie nicht nach Rotterdam zu reisen und wird nur als Live-on-tape zu sehen sein.

Rotterdam bei Nacht

Ferner hat sich Armenien vom ESC zurückgezogen und Belarus wurde disqualifiziert. Ursprünglich sollte die Gruppe Galasy ZMesta beim Wettbewerb antreten. Die EBU prüfte den Song und befand, dass er die nicht-politische Natur des ESC in Frage stellt. Weltweit hatten zuvor ESC-Fans die EBU aufgefordert, den Song zu disqualifizieren, weil sie in ihm eine Verhöhnung der laufenden Proteste und der Opposition in Belarus sehen. Die Band hat sich bei den noch immer im Land stattfindenden Protesten für den Präsidenten Aleksander Lukaschenko und gegen die Protestierenden ausgesprochen. Insgesamt sind so aktuell nur noch 39 Länder im Rennen.

Privatbild Instagram mynameis_jendrik

Gleich im ersten Halbfinale mit dabei ist der deutsche Beitrag, dem wir die Daumen drücken! Der offen schwule Hamburger Jendrik Sigwart tritt mit seinem Song „I Don´t Feel Hate“ an. Der 26 Jahre junge Musicaldarsteller hatte sich über seine Social-Media-Kanäle direkt für den deutschen ESC "beworben“ – auch wenn das eigentlich so nicht möglich ist, fiel der lebensfrohe Mann mit den wasserstoffblonden Haaren dem NDR auf und überzeugte schließlich. Auf der Bühne wird er nun ein Gute-Laune-Feuerwerk abfeuern inklusive einem tanzenden Peace-Zeichen, Stepptanz-Intervallen und glitzernder Ukulele. 

Privatbild Instagram mynameis_jendrik

Dabei ist sein Anliegen durchaus ein ernstes: Er will sich gegen den Hass und die Homophobie aussprechen, die gegen die LGBTQ-Community immer noch ausgelebt wird und gerade in den sozialen Medien unverblümt stark Wellen schlägt. Auch Jendrik selbst bleibt davon nicht verschont und die Hass-Kommentare sind seit dem Bekanntwerden seiner Teilnahme am ESC sogar noch deutlich mehr geworden.

Er lässt sich davon nicht unterkriegen, wie er der Berliner Morgenpost verraten hat: „Was bringt es, mich aufzuregen? Chill lieber! Ich habe häufig die Erfahrung gemacht, wenn sich jemand scheiße zu mir verhält, sollte ich nicht das Gleiche tun. Ich habe realisiert: Wenn man mit einer Person zu reden versucht und ihr erklärt ‚Hey, du verletzt mich‘, dann funktioniert das. Genau dadurch habe ich die Einstellung entwickelt: Ich fühle keinen Hass!“

Privatbild Instagram mynameis_jendrik, Jendrik mit seinem Freund

Natürlich kann er damit nicht alle Homophoben überzeugen, aber er versucht trotzdem auch weiterhin mit all jenen ins Gespräch zu kommen, die Homosexualität noch immer ablehnen. Er will trotzdem seine innere Ruhe bewahren, so funktioniert sein eigener Song auch als Reminder für ihn selbst: „Ich finde es schade, wenn Sexualität nicht so akzeptiert wird, wie sie akzeptiert werden sollte.“

Copyright ARD Foto

Vielleicht kann sein Song dazu beitragen, den Umgang mit Homosexualität etwas entspannter anzugehen! Jendrik dazu: "Sexualität ist nicht schwarz-weiß, es gibt nicht nur schwul und heterosexuell. Das ist ein breiter Fächer. Es gibt viele Heteromänner, die sich zu Männern hingezogen fühlen, aber durch die Gesellschaft gelernt haben, dass das falsch ist. An meiner Schule war ein Austauschstudent, der Schwulsein als unnatürlich empfunden hat. Auch in Diskussionen hat er seine Meinung nicht geändert. Und zwei Jahre später hat sich herausgestellt, dass er selbst schwul ist.“

Kurzum - Jendrik Sigwart ist ein echt cooler Typ! Und wir drücken ihm die Daumen und freuen uns, dass seine Botschaft in dieser Woche europaweit zu sehen und zu hören sein wird!

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